Pressemitteilung: Digitale Gewalt gegen Frauen: bff und HateAid reichen Beschwerde gegen Plattformen ein
Berlin | Datum 17.02.2026
Der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) und HateAid haben bei der Bundesnetzagentur Beschwerde gegen mehrere große Online-Plattformen eingereicht. Die Organisationen werfen ihnen vor, keine elektronische Kontaktstelle für Nutzende eingerichtet zu haben oder diese nicht ausreichend zugänglich zu machen. Gerade Frauen, von denen überproportional häufig sexualisierte Deepfakes erstellt oder gestohlene intime Videos veröffentlicht werden, hätten dadurch keine Möglichkeit, schnell die Entfernung dieser Inhalte zu beantragen. Dies stelle einen Verstoß gegen den Digital Services Act dar.
Betroffen sind neben den Social Media Konzernen Meta, TikTok und Snapchat auch pornografische Plattformen wie XVideos, Pornhub und Stripchat. Nach einer internen Überprüfung kommen bff und HateAid zu dem Ergebnis, dass keine der untersuchten Plattformen die Anforderungen aus Artikel 12 DSA ausreichend erfüllt. Zentrale Kontaktstellen seien nicht vorhanden oder nur schwer auffindbar. Oft sind sie nur über komplexe Formulare erreichbar oder mit zusätzlichen Hürden wie Sprachbarrieren oder verpflichtender Datenverifizierung verbunden. In einigen Fällen werde lediglich auf physische Adressen im Ausland verwiesen. Die gesetzlich vorgeschriebene unmittelbare und nutzer*innenfreundliche Kommunikation sei so nicht gewährleistet.
„Dies ist besonders auf pornografischen Plattformen in Fällen bildbasierter digitaler Gewalt fatal.“ sagt Josephine Ballon, Geschäftsführerin von HateAid. „Hier werden oftmals über einen langen Zeitraum immer wieder sexualisierte Bilder und Videos hochgeladen. Die Betroffenen können diese einzeln melden, was schnell zur Lebensaufgabe wird. Um die andauernden Rechtsverletzungen zu stoppen, müssen sie mit den Plattformen in Kontakt treten. Diese haben ihren Sitz jedoch im Ausland, sodass sie auf eine elektronische Kontaktaufnahme angewiesen sind.“
Artikel 12 DSA verpflichtet Anbieter von Online-Plattformen, eine zentrale Kontaktstelle einzurichten, über die Nutzer*innen elektronisch und unmittelbar kommunizieren können. Diese muss leicht auffindbar, verständlich und nutzer*innenfreundlich gestaltet sein. Das Gesetz schreibt vor, dass Menschen in der Lage sein müssen, Straftaten im Internet schnell bei den Plattformen zu melden. „Die zentrale Kontaktstelle ist keine Formalie, sondern ein entscheidender Hebel für Betroffene digitaler Gewalt“, so Ballon weiter. „Wer bildbasierte digitale Gewalt erlebt, muss die Plattform direkt und verbindlich erreichen können und darf nicht an eine Anschrift in Irland oder auf Zypern verwiesen werden. Das ist unzumutbar.“
Aus Sicht von HateAid und bff ist das eine grundlegende Voraussetzung für wirksamen Schutz im digitalen Raum. „Gerade Frauen und Mädchen sind überdurchschnittlich häufig von digitaler Gewalt betroffen. Wenn Plattformen nicht erreichbar sind oder sich hinter intransparenten Strukturen verstecken, verschärft das bestehende Machtungleichgewichte“, sagt Katja Grieger, Geschäftsführerin des bff. „Der DSA soll Nutzer*innen stärken. Dieses Versprechen muss auch praktisch eingelöst werden.“
Mit der Beschwerde fordern HateAid und bff die Bundesnetzagentur als zuständige Aufsichtsbehörde auf, die mutmaßlichen Verstöße zu prüfen und auf eine rechtskonforme Umsetzung der DSA-Vorgaben hinzuwirken.
Über den bff
Der bff ist der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland und wird getragen vom Verein Frauen gegen Gewalt e. V. Im bff sind über 230 Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen zusammengeschlossen. Sie leisten in Deutschland den hauptsächlichen Anteil der ambulanten Beratung und Hilfestellung für weibliche Opfer von Gewalt.
Der bff führt Seminare und Tagungen durch, verbreitet Expertise aus Praxis und Forschung und entwickelt Informationsmaterialien zum Thema geschlechtsbezogene Gewalt. Der bff wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Für weitere Informationen über den bff besuchen Sie unsere Website: https://www.frauen-gegen-gewalt.de
Pressekontakt: presse@bv-bff.de, Tel. 030 32299500
Über HateAid gGmbH
Die gemeinnützige Organisation HateAid wurde 2018 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Sie setzt sich für Menschenrechte im digitalen Raum ein und engagiert sich auf gesellschaftlicher wie politischer Ebene gegen digitale Gewalt und ihre Folgen. HateAid unterstützt Betroffene von digitaler Gewalt konkret durch Beratung und Prozesskostenfinanzierung. Geschäftsführerinnen sind Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon.
HateAid ist Trägerin der Theodor-Heuss-Medaille 2023, des Rothenburger Preises für Erinnerung und Zukunft, des Wertepreises für Demokratie der Werte-Stiftung und des For..Net Awards der Technischen Universität München. 2025 nahm Anna-Lena von Hodenberg stellvertretend für die NGO das Bundesverdienstkreuz entgegen.
Für weitere Informationen über HateAid gGmbH besuchen Sie unsere Website: https://hateaid.org/
Pressekontakt: presse@hateaid.org, Tel. 030 25208837
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