Dunkelfeldstudie LeSuBiA

Die Dunkelfeldstudie Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA) ist eine für Deutschland repräsentative geschlechterübergreifende Bevölkerungsbefragung zur Gewaltbetroffenheit. Die Studie ist ein gemeinsames Projekt von BMBFSFJ, BMI und BKA und die erste große deutsche Studie nach der Prävalenzstudie des BMFSFJ von 2004. Befragt wurden Personen zwischen 16 und 85 Jahren, die in Privathaushalten in Deutschland leben.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie

Gewalt gegen Frauen in (Ex-)Partnerschaften (Partnerschaftsgewalt)

  • Jede zweite Frau (48,7%) hat in ihrem Leben mindestens einmal psychische Gewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner (oder eine Partner*in) erlebt
  • 18 % der Frauen hat körperliche Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft erlebt
  • Die Anzeigequote liegt bei psychischer und körperlicher Gewalt in (Ex-)Partnerschaften bei unter 5%, d.h. mehr als 95% der Fälle gelangen nicht zur Kenntnis der Polizei
  • Falschbeschuldigungen sind sehr selten. Jeweils 3,1% der befragten Männer und Frauen gaben an, mindestens einmal in ihrem Leben durch eine*n (Ex-)Partner*in  bei einer offiziellen Stelle wie Polizei, Jugendamt, Arbeitgeber beschuldigt worden zu sein, Gewalt ausgeübt zu haben, obwohl dies nicht so gewesen sei  (subjektive Einschätzung).  

Gewalt gegen Frauen innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften

Hier wurde nach Gewalterfahrungen unabhängig vom Täter-Opfer-Kontext gefragt.

  • 62,3% der Frauen haben mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle Belästigung erlebt
  • 17,8 % der Frauen haben mindestens einen sexuellen Übergriff erlebt (5,8% eine Vergewaltigung) und 9,6% erlebten den Versuch, zu sexuellen Handlungen gezwungen zu werden
  • 26,7% der Frauen haben Stalking erlebt
  • 9,2% gaben an, digitale Gewalt erlebt zu haben
  • 6,7% vermuteten, dass Ihnen schon mal unfreiwillig K.O.-Mittel verabreicht  wurden
  • Die Anzeigequoten sind insgesamt niedrig, bei sexuellem Übergriff liegt sie bei 3,0 %

Geschlechtsspezifische Befunde

  • Frauen erleben insgesamt häufiger und schwerere Gewalt als Männer.
  • Die Gruppe der LSBTIQ* hatte eine höhere Gewaltbetroffenheit als Personen, die der Gruppe nicht angehören.
  • Gewalttaten werden überwiegend von Männern verübt.

Die Studie vertritt eine geschlechterübergreifende Perspektive. Es fehlt eine geschlechtsspezifische Betrachtung, die den gesellschaftlichen Kontext einbezieht. Dies ist jedoch für ein Verständnis geschlechtsspezifischer Gewalt unerlässlich und wird von der Istanbul-Konvention gefordert. Eine kritische fachliche Einordnung hierzu hat das Bündnis Istanbul-Konvention veröffentlicht.

Ausführlichere Informationen und Ergebnisse stehen im ersten veröffentlichten Themenheft, weitere Themenhefte zur Inanspruchnahme des Sicherheits- und Hilfesystems und zu Vulnerabilitäten und Folgen von (partnerschaftlicher) Gewalt  sollen folgen.

Themenheft I Ergebnisse der Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“. Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von (Ex-)Partnerschaften. Nathalie Leitgöb-Guzy, Ina Bieber, Herausgeber: Bundeskriminalamt, 2026.