Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Was tun? Wie helfen?

Eine erste Schwierigkeit besteht häufig im Erkennen, dass es sich bei dem Erlebten tatsächlich um eine sexuelle Belästigung handelt. Zunächst ist es deshalb wichtig, die eigenen Empfindungen ernst zu nehmen und sich zu verdeutlichen, dass jede Frau ein Recht auf einen Arbeitsplatz hat, an dem sie nicht belästigt wird.

Von Vorteil ist es, die Belästigung unmittelbar und direkt beim ersten Vorfall energisch zurückzuweisen, z.B. mit lauten Entgegnungen – auch wenn die Belästigung im Flüsterton erfolgt. Mit lauten Entgegnungen kann Belästigungssituationen das „Vertrauliche“ und die Heimlichkeit genommen werden, und es besteht die Möglichkeit, dass andere Personen etwas von dem Vorfall mitbekommen.

Ein offensives und aktives Vorgehen direkt und unmittelbar beim ersten Übergriff ist eindeutig von Vorteil. Den Belästiger zur Rede zu stellen und sich die Belästigungen zu verbitten, die Androhung einer Beschwerde oder eine tatsächliche Beschwerde, die Ankündigung, die Tat anderen zu erzählen oder den Belästiger zu verklagen und auch die körperliche Gegenwehr sind gute Möglichkeiten einer ersten Reaktion.

In jedem Fall sollte der Tathergang direkt nach der Tat schriftlich aufgezeichnet werden. Diese Aufzeichnungen können mit einer eidesstattlichen Erklärung bei einer Anwältin hinterlegt werden und für eine mögliche spätere offizielle Beschwerde verwendet werden.

Auch schriftliche Reaktionen sind sinnvoll, vor allem dann, wenn die verbale Zurückweisung nicht gelingt bzw. vom Belästiger ignoriert wird. In einem solchen Brief sollte sachlich und detailliert – d.h. mit Angabe von Datum, Ort, Tathergang usw. – das Verhalten des Belästigers kritisiert und zurückgewiesen werden. Zudem sollten Konsequenzen für den Fall aufgezeigt werden, dass der Belästiger die Belästigungen nicht einstellt.

Entlastend kann ein Gespräch mit einer Vertrauensperson sein sowie Gespräche mit Kollegen und Kolleginnen. Bei solchen Gesprächen stellt sich häufig heraus, dass ein Belästiger bereits schon mehrere Frauen im Betrieb bedrängt hat und belästigt. Ein gemeinsames Vorgehen gegen den Täter kann sehr wirkungsvoll sein.

Sinnvoll ist zudem eine gezielte Suche nach Zeugen und Zeuginnen, die Belästigungssituationen genau beobachtet haben. Professionelle Ansprechpartnerinnen wie Frauennotrufe, Frauenbeauftragte, Gewerkschaften, Rechtsanwältinnen usw. kennen sich mit der Problematik aus und können über mögliche Maßnahmen der Gegenwehr informieren.

Rechtliche Schritte

Gegen sexuelle Belästigungen können sich Betroffene auch rechtlich zur Wehr setzen: Den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz regelt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Wer in Zusammenhang mit seinem Beschäftigungsverhältnis von sexueller Belästigung betroffen ist, hat nach dem AGG das Recht, sich bei den zuständigen Stellen des Betriebes oder der Dienststelle zu beschweren. Diese sind verpflichtet, Beschwerden zu prüfen und den Betroffenen das Ergebnis mitzuteilen. Es ist ratsam, im Zuge einer Beschwerde über das AGG, im Vorfeld professionelle Beratung und Unterstützung (z.B. bei Frauenbeauftragten in Betrieben, bei Betriebsrät/innen, bei kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, bei Gewerkschaften, Rechtsanwält/innen, oder bei Frauenberatungsstellen und Frauennotrufen) in Anspruch zu nehmen.