Mehrfachdiskriminierung

Was tun? Wie helfen?

Damit aktiv gegen Mehrfachdiskriminierung vorgegangen werden kann, ist es zunächst wichtig, dass sie als eigenständige Form der Diskriminierung  anerkannt wird – von der Politik ebenso wie in der Gesellschaft. Solange kein Bewusstsein dafür besteht, dass durch Wechselverhältnisse von Diskriminierungserfahrungen auch ganz spezifische und individuelle Problemlagen geschaffen werden, ist es für die Betroffenen nur schwer möglich, für ihre Rechte zu kämpfen.

Betroffene von Mehrfachdiskriminierung müssen sich, wenn sie aktuell gegen Diskriminierung vorgehen wollen, bestimmten Interessengruppen zuordnen. Dabei müssen sie jedoch notwendigerweise bestimmte Erfahrungen vernachlässigen, die für ihre persönliche Lage jedoch möglicherweise ebenso bedeutsam sind.

Bsp.: Eine lesbische person of color kann sich beispielsweise der lesbischen Szene zuordnen, findet sich jedoch dann in einem Umfeld wieder, in dem sie als person of color einer Minderheit angehört. Diese Erfahrung, auch wenn zunächst einmal keine direkte Diskriminierung vorliegt, ist für sie jedoch nun sehr schwierig zu thematisieren. Es wird ihr schnell vorgeworfen, dass sie weniger auf Differenzen und vielmehr auf die Gemeinsamkeiten mit den anderen lesbischen Frauen blicken sollte. Ihre persönliche Erfahrung als person of color kann sie in diesem Kontext nicht einbringen. Ein Sprechen über ihre möglichen Diskriminierungserfahrungen als lesbische person of color werden ihr verwehrt, wodurch sie einmal mehr, nun jedoch in dem von ihr eigentlich selbst gewählten Zusammenhang, Diskriminierung erfährt.