Gewalt gegen Lesben

Was ist das?

Mit der Einführung der eingetragenen Partnerschaft für homosexuelle Paare im Jahr 2001 und der schrittweisen Angleichung an die Rechte und Pflichten in einer Ehe sind homosexuelle Lebensweisen in der Öffentlichkeit verstärkt diskutiert und damit auch sichtbarer geworden. Mit dem Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Jahr 2006 hat sich der Staat verpflichtet, aktiv die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Dennoch sind Diskriminierungen und Ausgrenzungen der lesbischen Sexualität und Identität weit verbreitet. Ein heterosexueller Lebensstil gilt immer noch als Norm. Sowohl das lesbische Coming-Out als auch das alltägliche Leben können von diskriminierenden und gewalttätigen Erfahrungen begleitet sein. Constance Ohms schreibt in ihrer 2006 veröffentlichten Studie zu „Gewalt gegen Lesben und häusliche Gewalt in lesbischen Zusammenhängen“, dass Gewalt und Diskriminierungen als ein Aspekt lesbischer oder schwuler Identität betrachtet werden müssen. „Zur lesbischen oder schwulen Lebensweise gehört es, Strategien des Umgangs mit der eigenen lesbischen oder schwulen Identität in einem (potentiell) homophoben Umfeld zu erlernen, um das Risiko einer möglichen Gewalt- oder Diskriminierungserfahrung zu reduzieren.“ (Ohms 2006:7)

So berichten lesbische Frauen, dass sie in der Öffentlichkeit aufgrund ihres Aussehens und Verhaltens (Händchen halten, Küssen) beschimpft, angerempelt oder zusammengeschlagen oder sexuell belästigt werden.

Mobbing und Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund der lesbischen Lebensweise seien laut einer Studie von LesMigras, dem Anti-Gewalt-Bereich der Lesbenberatung Berlin, weit verbreitet. 30% der Befragten gaben an, selbst von Diskriminierung oder Mobbing betroffen zu sein. Viele Lesben überlegen sich deshalb genau, an welchen Orten sie sich outen. Eine besondere Form von Gewalt gegen Lesben stellt es dar, jemanden zwangsweise z.B. am Arbeitsplatz oder in der Herkunftsfamilie zu outen oder dies anzudrohen.

Häufig werden Räume innerhalb der Szene oder Community als vermeintliche Schutzräume betrachtet, in denen sich von einem potentiell homophoben Umfeld abgegrenzt werden kann. Das kollektive Selbstverständnis von Lesben (und auch Schwulen) ist von der Vorstellung geprägt, dass Gewalt von außen herangetragen wird, nicht jedoch in der eigenen Subkultur zu finden ist. Aber auch hier kann es zu Diskriminierungen und Ausschlüssen kommen, und auch die Szene ist kein Ort, der frei von Gewalt ist.

Auch das Bild der Wahlfamilie oder Partnerschaft als vermeintlicher Schutzraum erweist sich als Illusion. Auch in lesbischen Beziehungen kommt es zu Partnerschaftsgewalt. Dies ist ein in weiten Teilen tabuisiertes Thema, da sich hier mit der Tatsache auseinandergesetzt werden muss, dass auch Frauen Täterinnen sein können.