Vergewaltigung und sexuelle Nötigung

Rechtliche Schritte

In einem Verfahren ist die Betroffene Zeugin. Die vielen Befragungen sind belastend für sie und die Verurteilung des Täters ist keinesfalls sicher.

Seit November 2016 gilt in Deutschland ein neues Sexualstrafrecht, nach dem sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer Person strafbar sind.

Weitere Informationen dazu erhalten Sie hier und/oder auch bei einer Fachberatungsstelle in der Nähe.

Vergewaltigung ist ein besonders schwerer Fall der sexuellen Nötigung. Die sexuelle Nötigung ist ein sogenanntes Offizialdelikt. Sobald die Polizei oder Staatsanwaltschaft davon erfährt, ist sie verpflichtet, zu ermitteln. Das heißt auch, dass eine Anzeige nicht einfach zurückgezogen werden kann.

Strafanzeigen

Niemand ist verpflichtet, eine sexuelle Nötigung anzuzeigen. Häufig empfinden Betroffene das Strafverfahren als sehr belastend. Sie werden oft mehrfach befragt und müssen sich sehr intimen Fragen stellen. Zudem dauern die Verfahren häufig lange und eine Verurteilung des Täters ist keineswegs sicher.

Bei der sexuellen Nötigung durch einen fremden Täter ist es besonders wichtig, möglichst zeitnah zu versuchen, Spuren zu sichern. D.h., am Besten die getragene Kleidung aufbewahren, sofort zum Arzt oder Ärztin gehen etc.

In den häufigsten Fällen geschehen sexuelle Nötigungen aber im persönlichen Nahbereich. Dann geht es in den Verfahren nicht um die Frage, wer der Täter war, sondern ob der Betroffenen geglaubt wird. Häufig geben Täter an, dass die sexuellen Handlungen stattgefunden haben, diese aber freiwillig waren, oder dass sie nicht wussten, dass die Betroffene nicht wollte.

Da es in den allermeisten Fällen keine anderen Zeugen als die Betroffene und den Täter und auch keine weiteren Beweise gibt, kommt es auf die Frage, wem das Gericht glaubt ganz besonders an. Dabei gilt der Grundsatz in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Gibt es also Zweifel gehen diese immer zum Nachteil der Zeugin, nie gegen den Angeklagten.

Im Falle einer Strafanzeige ist es sehr hilfreich, gut über den weiteren Verfahrensverlauf, die eigenen Rechte im Verfahren, über mögliche Opferschutzmaßnahmen, Prozessbegleitungen informiert zu sein. Entsprechende Informationen bieten Fachberatungsstellen (z.B. Frauennotrufe) an.

In Fällen der sexuellen Nötigung hat jede Betroffene das Recht, sich im Strafverfahren an eine/n Rechtsanwält/in zu wenden, die vom Staat großteils bezahlt wird. Rechtsanwält/innen können die Betroffene von Anfang an im Verfahren unterstützen und schon bei den polizeilichen Vernehmungen anwesend sein.

Wenn die Betroffene möchte, kann sie aktiv als Nebenklägerin am Verfahren teilhaben, Akteneinsicht nehmen, eigene Zeugen benennen und ähnliches.