Vergewaltigung und sexuelle Nötigung

Reaktionen des sozialen Umfeldes

Die Reaktionen der Umwelt, der Angehörigen, Freund/innen und Bekannten, ist für Vergewaltigungsopfer von großer Bedeutung und für den Verarbeitungsprozess wichtig.

Die Vergewaltigung einer nahestehenden Person stellt auch für das nahe soziale Umfeld eine Belastung dar und führt zu unterschiedlichen Reaktionen. Nicht selten werden betroffene Mädchen und Frauen mit Zweifeln, mit Ablehnung, Vorwürfen oder Schuldzuweisungen konfrontiert. Fragen wie „Warum bist du denn mit ihm in die Wohnung gegangen?“ oder „Warum hast du dich nicht gewehrt?“ vermitteln der Betroffenen, dass an ihrer Glaubwürdigkeit gezweifelt wird und ihr eine Mitschuld zugeschrieben wird.

Auch Bagatellisierungen wie „Vergiss das einfach schnell.“ oder „Es ist schon nicht so schlimm gewesen.“ sind nicht selten und resultieren aus einem eigenen Unbehagen angehöriger Personen bzw. ihrer Unfähigkeit und Hilflosigkeit, mit der Situation umzugehen.

Auch verständnisvolle und einfühlsame Bezugspersonen können zur zusätzlichen Belastung werden, wenn sie die Betroffene übermäßig mit ihren eigenen Gefühlen von Wut, Hilflosigkeit, Trauer, Ohnmacht oder Rachegefühlen konfrontieren. Viele Frauen ziehen sich dann zurück und sprechen nicht mehr über die Vergewaltigung, um ihr Umfeld emotional zu schützen.

Die Gefühle naher Angehöriger von Vergewaltigungsopfern drücken sich mitunter auch in unüberlegten und übereilten Handlungen aus, z. B. einer Konfrontation des Täters oder einer Strafanzeige. Dies steht nicht immer im Interesse der betroffenen Frau oder des Mädchens, die die Konsequenzen entsprechender Handlungen zu tragen haben.

Bezugspersonen von vergewaltigten Frauen können ebenfalls die Unterstützung von Fachberatungsstellen in Anspruch nehmen.

Ein unterstützender, hilfreicher Umgang mit betoffenen Frauen beinhaltet vor allem folgendes Verhalten:

  • Ermutigung der Frau/ des Mädchens, über das traumatische Erlebnis zu sprechen und gleichzeitiges Akzeptieren, wenn sie nicht darüber sprechen will oder kann.
  • Wichtig ist ein verständnisvolles und unvoreingenommenes Zuhören ohne offene oder verdeckte Zweifel, Bagatellisierungen, Ablehnungen, Vorurteile oder Vorwürfe an die Frau. Die Verantwortung für die Tat liegt allein beim Täter.
  • Die betroffene Frau/das Mädchen sollte nicht mit den Emotionen von Bezugspersonen überschüttet werden. Auch für Bezugspersonen, die betroffene Frauen unterstützen, bieten die Frauennotrufe kostenlose Beratung an, damit die eigenen Erfahrungen und Probleme in dieser schwierigen Situation bearbeitet werden können.
  • Keine Person sollte ohne das Einverständnis der Frau/des Mädchens Schritte unternehmen. Insbesondere rechtliche Schritte sollten erst nach gründlicher Information und in Absprache mit ihr eingeleitet werden.
  • Auch gut gemeinte Ratschläge und Hilfsangebote können das Gefühl von Bevormundung hervorrufen, insbesondere dann, wenn sie mit Nachdruck wiederholt werden. Vergewaltigungsopfer sollten darin gestärkt werden, ihren eigenen Entscheidungen, Bedürfnissen und Wünschen zu trauen - jede Frau und jedes Mädchen kann die erlittene Gewalttat nur auf ihre Weise verarbeiten. Es gibt dafür keine Regeln.
  • Partner und Partnerinnen von vergewaltigten Frauen sind häufig mit sexuellen Schwierigkeiten in der Beziehung konfrontiert und geraten an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Auch Partner und Partnerinnen können professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.