Sprache wirkt – es ist wichtig, auf eine sensible Sprachwahl zu achten .

Wichtig sind eine angemessene, geschlechtergerechte und diskriminierungssensible Sprache. Differenzierte Begrifflichkeiten und eine informative Berichterstattung können Einstellungen und Vorurteile aufweichen.

Wichtig ist es, Gewalt gegen Frauen und Mädchen als Gewalt zu benennen. In der Berichterstattung über Gewalt an Frauen sind zu häufig Klischees oder auch verharmlosende Begrifflichkeiten zu finden. Im Folgenden werden einige Begriffe genauer betrachtet, die bei unterschiedlichen Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen immer wieder auftauchen:

Berichterstattung über sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder

Bei sexualisierter Gewalt wird häufig durch Begriffe wie „Sex-Skandal“, "Sexgangster", “Sexmörder", „Triebtäter“ oder "Sextäter" fälschlicherweise ein sexuelles Tatmotiv in den Vordergrund gestellt. Mit einer solchen Wortwahl entsteht der Eindruck, dass sexuelle Bedürfnisse vermeintlich die Ursache von sexualisierter Gewalt sind.

Jedoch geht es bei sexualisierter Gewalt um Macht und Unterdrückung. Sexualisierte Gewalt ist nicht mit Sexualität gleichzusetzen – vielmehr wird Sexualität als Mittel genutzt, um Macht auszuüben. Auch bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder geht es um Machtmissbrauch mit dem Mittel der Sexualität.

In den Medien wird außerdem oft noch das Bild der "kranken", "abnormen" oder "perversen" Einzeltäter vermittelt. In der überwiegenden Mehrzahl sind die Täter aber unauffällige, als „normal“ geltende Männer.

Bei Berichten über sexualisierte Gewalt werden zugleich oft Bilder eingesetzt, die auf sexualisierte Gewalt nachts an dunklen, einsamen Orten durch vermeintlich fremde, unbekannte Täter verweisen.

Jedoch finden ein sehr großer Anteil aller Übergriffe im sozialen Umfeld der betroffenen Mädchen und Frauen statt. D.h. dort, wo sie sich am sichersten fühlen – nämlich in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der eigenen Wohnung. Sehr oft handelt es sich bei den Tätern um enge Bezugspersonen, wie z.B. den eigenen Partner, einen engen Freund, den Vater, Onkel oder den Opa.

Auch der Begriff „Kinderschänder“ ist zu vermeiden. Dieser wird von der extremen Rechten und Neonazis benutzt – für ihre politische Hetze und autoritären Positionen. Einer solchen Instrumentalisierung muss aktiv entgegengewirkt werden. Außerdem verstärkt der Begriff die Stigmatisierung Betroffener sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend, indem er suggeriert, dass sie dauerhaft ‚geschändet‘ sind.

Wichtig ist auch darauf zu achten, dass die mediale Berichterstattung ohnehin bestehende Ängste und Unsicherheiten bei Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, nicht verstärkt.

Tipps:

  • Die Wörter „Missbrauchte“ und „Vergewaltigte“ verharmlosen die Tat. Treffender sind Begriffe wie zum Beispiel Betroffene sexualisierter/ sexueller Gewalt.

Berichterstattung über Partnerschaftsgewalt (häusliche Gewalt) gegen Frauen und die Tötung von Frauen

In der Berichterstattung über häusliche Gewalt einschließlich schwerer Formen von Gewalt, die für Frauen tödlich enden, ist immer wieder von ‚Familiendramen‘, ‚Familientragödien‘, ‚Streitigkeiten‘ oder ‚Eifersuchtsdramen‘ die Rede. Diese Begrifflichkeiten verstärken ein weit verbreitetes Bild, dass es sich bei häuslicher Gewalt um „Konflikte“ in Paarbeziehungen handelt. Doch das relativiert und verharmlost häusliche Gewalt gegen Frauen – es geht nicht um „Beziehungsstreitigkeiten“, sondern um Gewalt gegen Frauen durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner.

Jedes Jahr werden in Deutschland weit über 100 Frauen vom eigenen Partner oder Expartner getötet. In vielen dieser Fälle tötet der (Ex)Partner die Frau, wenn sie Trennungsabsichten äußert oder nach der Trennung. Oft hatten Frauen zuvor verzweifelt versucht, sich in Sicherheit zu bringen oder Hilfe zu bekommen. Es wird der Tatsache, dass sie getötet wurden, nicht gerecht, die Situation als „Drama“ zu beschreiben.

Doch nicht nur Frauen werden getötet, sondern nicht selten bringt der Täter auch die gemeinsamen Kinder um. Tötet er im Anschluss auch noch sich selbst, wird häuft von „erweitertem Suizid“ gesprochen, ungeachtet der  Frage, ob die anderen Familienmitglieder der Tötung zugestimmt haben.

Tipps:

  • Bei der Beschreibung von häuslicher Gewalt sollten die Taten und Täter klar benannt werden, denn es geht um Gewalt. Angemessene Begriffe im Falle der Tötung von Frauen sind Frauenmord oder Tötung von Frauen. Auf internationaler Ebene wird auch häufig der Begriff Femizid verwendet.

Berichterstattung über gewaltbetroffene Frauen mit Behinderungen

Wenn es in den Medien um Menschen mit Behinderungen geht, werden oft Begriffe wie Leid, Schmerz, Schicksal, aber auch Mut und Tapferkeit benutzt. Menschen mit Behinderungen „meistern ihr Schicksal“ oder sie „leiden an und wegen der Behinderung“. Solche Beschreibungen vermitteln ein sehr defizitäres Bild von Behinderung und werden von Menschen mit Behinderungen als diskriminierend erlebt.

Es finden sich zugleich nur wenige differenzierte Berichte über Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen. In Berichterstattungen werden diese wenn dann oft als „hilflose Opfer“ dargestellt, die sich nicht wehren können.

Fakt ist, dass Frauen und Mädchen mit Behinderungen häufiger Gewalt erleben als nichtbehinderte Frauen und Mädchen – ein Grund dafür sind Lebensbedingungen und oft damit einhergehende Abhängigkeit und Fremdbestimmung. Umso wichtiger ist es, Frauen und Mädchen mit Behinderungen nicht als passive „Opfer“ darzustellen, sondern auch Strukturen und Bedingungen, die zum Nachteil der Frauen sind, zu benennen.

Tipps:

  • Unsicherheiten gibt es oft bei der Bezeichnung von Behinderungen oder Beeinträchtigungen. In der Sprachwahl hat sich der Begriff Menschen mit Behinderungen durchgesetzt. Weitere Tipps zur Sprachwahl sind hier zu finden: http://leidmedien.de/

Berichterstattung über die mutmaßliche ‚Herkunft‘ von Betroffenen und Täter_innen

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass Männer nicht-deutscher Herkunft gewalttätiger gegenüber Frauen wären.

Dies entspricht nicht der Realität.

Jedoch sind Fälle, in denen die Gewalt gegen Frauen von geflüchteten oder nicht-deutschen Männern ausgeht, deutlich präsenter in der öffentlichen Diskussion und in den Medien. Studien haben belegt, dass unbekannte Täter häufiger angezeigt werden, verstärkt auch dann, wenn sie kein Deutsch sprechen. Medienschaffende stehen in der Verantwortung, rassistisch diskriminierende Zuschreibungen und Verallgemeinerungen zu vermeiden.

Tipps:

  • Bei der Berichterstattung über Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist die mutmaßliche „Herkunft“ des Täters in den allermeisten Fällen keine relevante Information – denn es geht um geschlechtsspezifische Gewalt.

‚Opfer‘ von Gewalt?

Der Begriff „Opfer“ ist ein Begriff aus dem Strafrecht und hat dort eine Bedeutung, weil sich daraus z.B. bestimmte Rechte ableiten. In der Alltagssprache wird der Begriff jedoch oft mit Schwäche, Inkompetenz, Ohnmacht und Hilflosigkeit in Verbindung gebracht. Viele Betroffene von Gewalt empfinden den Begriff deswegen als stigmatisierend, denn sie fühlen sich nicht schwach, hilflos oder ohnmächtig.

Betroffene von Gewalt sind aber nicht nur Opfer, sie lernen mit den Gewalterfahrungen zu leben, machen diese beispielsweise öffentlich und zeigen Stärke und Selbstbewusstsein.

Tipps:

  • Es sehr zu empfehlen, anstelle des Begriffs „Opfer“ Betroffene oder Verletzte zu schreiben.