Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung

Mythen/Tatsachen/Zahlen

Ausmaß von Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung

Lange Zeit war Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung ein Tabuthema. Frauen mit Behinderung sind jedoch sehr viel häufiger von unterschiedlichen Formen von Gewalt betroffen als nichtbehinderte Frauen. Mit einer Behinderung geht oftmals eine erhöhte Vulnerabilität und ein größeres Risiko Gewalt zu erfahren einher.

Die ersten repräsentativen Ergebnisse der vom BMFSFJ in Auftrag gegebenen Studie zur „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“ bestätigen dies:

Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen (mit und ohne Schwerbehindertenausweis), die in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in Privathaushalten leben, berichteten zwei- bis dreimal häufiger von sexueller Gewalt in Kindheit oder Jugend sowie im Erwachsenenalter als Frauen ohne Behinderung. Insgesamt berichtete fast die Hälfte der befragten Frauen von sexualisierter Gewalt in ihrer Kindheit, Jugend oder im Erwachsenenalter. Über 30% - 50% der Frauen in Einrichtungen hatten sexuelle Gewalt erlebt; bei denjenigen, die in ihrem eigenen Haushalt leben, war es fast jede zweite Frau.

Frauen mit Behinderung erfahren außerdem fast doppelt so häufig wie nichtbehinderte Frauen körperliche Gewalt: 3 von 5 (über 60% - 75%) der befragten Frauen berichteten von körperlicher Gewalt im Erwachsenenalter.

Frauen mit Behinderung sind auch deutlich häufiger psychischen Übergriffen ausgesetzt, sowohl durch ihre Eltern in der Kindheit, als auch im Erwachsenenleben. 70-90% der in Einrichtungen lebenden Frauen gaben Erfahrungen psychischer Gewalt an. Von den Frauen mit Behinderung, die im eigenen Haushalt leben, war mindestens jede 2. von psychischer Gewalt durch die Eltern betroffen; 75% gaben psychische Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter an.

Frauen, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe leben oder früher gelebt haben, sind sehr häufig von unterschiedlichen Formen von Gewalt betroffen. Dazu zählen auch Formen von struktureller Gewalt und Diskriminierung im Alltag der Einrichtung.

Viele der befragten Frauen hatten außerdem ein stark eingeschränktes Sicherheitsgefühl, sowohl im  sozialen Umfeld als auch im öffentlichen Raum.

In der Studie wurde außerdem der Zusammenhang von Behinderung und Gewalt deutlich: Frauen mit Behinderung machen in ihrem Lebensverlauf oftmals wiederholte Erfahrungen mit Gewalt. Zugleich kann Gewalt schwerwiegende Beeinträchtigungen und Behinderungen nach sich ziehen.