Gewalt gegen Lesben

Mythen, Zahlen, Fakten

Wie viele lesbische Frauen in Deutschland leben, kann nur geschätzt werden. In zahlreichen Publikationen wird immer wieder von einer Schätzung zwischen 5-10% gesprochen. Diese Schätzungen beruhen jedoch häufig auf den Ergebnissen des amerikanischen Kinsey-Reports aus den 1950er Jahren und müssen kritisch hinterfragt werden.

Auch die Zahl der gewaltbetroffenen Lesben ist schwer festzustellen. Bei gewalttätigen Übergriffen im öffentlichen Raum wollen sich Betroffene nicht immer gegenüber der Polizei outen, sodass diese Taten nicht in die polizeiliche Statistik zu Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung eingehen. Auch zu häuslicher Gewalt gibt es derzeit  in Deutschland keine Studie, die genaue Zahlen zur Gewaltbetroffenheit in lesbischen Beziehungen bietet. In der 2004 erschienenen Studie zur „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ konnten lesbische Frauen nicht erfasst werden, da weniger als 1% der Befragten Angaben über ihre sexuelle Orientierung gemacht haben.

In der 2013 von der Lesbenberatung Berlin und LesMigraS veröffentlichten Studie zu Gewalt- und (Mehrfach)Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* in Deutschland, an der ca. 4500 Personen teilgenommen haben, gaben mehr als 29% der Befragten an, innerhalb der Familie, von Verwandten, Partner_innen oder Freund_innen beschimpft oder beleidigt worden zu sein. Von Fremden in der Öffentlichkeit wurden sogar 65% beschimpft oder beleidigt. Aber auch der Anteil körperlicher Übergriffe im öffentlichen Raum ist recht hoch, 18% wurden körperlich angegriffen und 22% haben sexualisierte Übergriffe erlebt.

Mehr als 30% der Befragten gaben an, mindestens einmal am Arbeitsplatz gemobbt worden zu sein und fast 60% gaben an, dass Diskriminierungen hier weit verbreitet sind.

Diskriminierungen und Gewalt finden in sehr hohem Maße im öffentlichen Raum statt. Hier ist der Anteil der psychischen und verbalen Gewalt, also Erfahrungen von Abwertung, sexueller Belästigung, sehr hoch. Aber auch der Anteil körperlicher Übergriffe ist recht hoch, 18% wurden körperlich angegriffen und 22% haben sexualisierte Übergriffe erlebt. Mit 36% gab mehr als ein Drittel der Befragten an, von der Familie, von Verwandten, Partner_innen oder Freund_innen ungefragt geoutet worden zu sein.

Da in der Befragung allerdings nicht zwischen Herkunftsfamilie oder Partnerschaft differenziert wurde, können keine genaueren Angaben zur Gewaltbetroffenheit innerhalb von Beziehungen gemacht werden.