10 Jahre bff: Kongress und Jubiläumsempfang

Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des bff fand am 2. November 2015 in Berlin der Kongress "Erfahrung - Debatte - Veränderung statt. Über 200 Teilnehmer_innen waren gekommen, um über Entwicklungen zum Thema Gewalt im Geschlechterverhältnis zu diskutieren, sich auszutauschen und von den Vorträgen der hochkarätigen Referentinnen anregen zu lassen.

Nach einem Vortrag von Christina Clemm zu neuesten Entwicklungen im Sexualstrafrecht diskutierten Prof. Dr. Barbara Kavemann und Prof. Dr. Ariane Brenssell zum Thema Traumatisierung und Gesellschaft.

Das zweite Panel mit Prof. Dr. Sabine Stövesand und Prof. Dr. Carol-Hagemann-White widmete sich den Interventionsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt.

Im letzten Panel zu Mehrfachdiskriminierung und Belastung ging Heike Rabe vom Deutschen Institut für Menschenrechte auf die Situation geflüchteter Frauen ein und forderte einen effektiven Gewaltschutz für Frauen in Flüchtlingsunterkünften. Prof. Dr. Swantje Köbsell widmete sich zum Schluss der Situation gewaltbetroffener Frauen und Mädchen mit Behinderung und der Frage, wie die Behindertenrechtskonvention für einen besseren Gewaltschutz eingesetzt werden kann. 

Nach dem Kongress fanden sich viele Gäste im Berliner Abgeordnetenhaus ein, um gemeinsam auf die vergangenen 10 erfolgreichen Jahre zurückzublicken. Zu den Festrednerinnen gehörten die Parlamentarische Staatssekretärin Elke Ferner, Nivedita Prasad, Professorin an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin und Dr. Christine Bergmann, bff-Schirmfrau und ehemalige Frauenministerin. Musikalisch umrahmt wurde das Fest von Sigrid Grajek als Claire Waldoff und dem Duo KLAKK. Wir danken allen, die zum wunderbaren Gelingen des Kongresses und der Jubiläumsfeier beigetragen haben und bedanken uns sehr herzlich für die vielen Glückwünsche! 

Hier können Sie nochmal das Kongressprogramm und das Programm für den Jubiläumsempfang  nachlesen:

Montag, 2. November 2015 – Programm Kongress

UhrzeitBeschreibung
11:00 Uhr

Eröffnung

Katja Grieger, bff-Geschäftsführerin
Moderation: Beate Hinrichs, freie Journalistin

11:15 Uhr

Grußworte

11:30 Uhr

Vortrag

Nein heißt nein? Entwicklungen im Sexualstrafrecht.

Die Istanbul-Konvention verlangt, dass alle nicht-einverständlichen sexuellen Handlungen unter Strafe stehen. Im Vortrag wird der Stand der Reformdebatte berichtet.

Weiterhin werden die unterschiedlichen Lösungsvorschläge kritisch beleuchtet sowie Kriterien für einen wirksamen strafrechtlichen Schutz der sexuellen Selbstbestimmung entwickelt.

Christina Clemm (Rechtsanwältin Berlin, Mitglied der Kommission zur Reform des Sexualstrafrechts beim Bundeministerium der Justiz und für Verbraucherschutz)

11:45 Uhr

Panel 1: Traumatisierung und Gesellschaft

Kurzvortrag: Vergessen und Erinnern – Sprechen und Schweigen.

Für das oft sehr lange Schweigen von Betroffenen nach dem Erleben sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend gibt es unterschiedliche Motive. Im Vortrag werden sie vorgestellt und die Offenlegung des Gewalterlebens als ein prozesshaftes, interaktives Geschehen präsentiert. Psychische, somatische und soziale Folgen dieser traumatischen Widerfahrnisse werden systematisch in sechs Sequenzen beschrieben. Dargestellt werden die Ambivalenz von – fragmentarischem – Erinnern, Verdrängen, Schweigen und Sprechen sowie die Relevanz der individuellen wie der gesellschaftlichen Reaktion und die Bedeutung gesellschaftlicher Anerkennung und Aufarbeitung.

Prof. Dr. Barbara Kavemann, Dipl. Soziologin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sozialwissenschaftlichen FrauenForschungsInstituts Freiburg und Honorarprofessorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin.

Kurzvortrag: Trauma politisch verstehen – Herausforderungen an eine emanzipatorische Traumaarbeit.

Der Vortrag skizziert aktuelle Entwicklungen, die eine Entpolitisierung der Traumadebatte vorantreiben und argumentiert für eine gesellschaftlich kontextualisierte, emanzipatorische Traumaarbeit.

Prof. Dr. Ariane Brenssell (Ostfalia Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel)

Anschließend Diskussion

13:00 Uhr

Mittagspause

14:00 Uhr

Panel 2: Verantwortung zur Intervention bei Gewalt in Partnerschaften

Kurzvortrag: Geht doch! „StoP“-Stadtteile ohne Partnergewalt. Erfahrungen mit einem neuen Konzept.

Seit 2010 wird in Hamburg ein nachbarschaftsbezogenes Handlungskonzept umgesetzt, das zur Einmischung gegen Partnergewalt und Unterstützung von Betroffenen ermutigt und ausbildet. Grundzüge von „StoP“ und konkrete Erfahrungen werden von der Konzeptentwicklerin und einer aktiven Nachbarin vorgestellt.

Prof. Dr. Sabine Stövesand, Professorin für Soziale Arbeit an der HAW Hamburg, Schwerpunkte u.a.: Gemeinwesenarbeit, Gender und Diversity, Partnergewalt

Kurzvortrag: Verantwortung des Staates, institutionelle Kulturen und Handlungsmächtigkeit der Betroffenen – Fragen an eine europäische Ethik der Intervention.

In einem dreijährigen Forschungsprojekt, das in Kooperation mit Praxisnetzwerken – u.a. mit dem bff – durchgeführt wird, versucht CEINAV die Interventionsstrategien in vier EU-Ländern zu verstehen (www.ceinav-jrp.blogspot.de). Warum setzen sich gemeinsame Leitbegriffe wie Verantwortung, Schutz und Empowerment in z.T. sehr unterschiedliche Praxis um? Wie sehen betroffene Frauen die erlebte Praxis? Ziel ist es, Grundlagen für eine differenzsensible und ethisch verantwortliche Intervention zu entwickeln. Der Vortrag wird Zwischenergebnisse zur Diskussion stellen.

Prof. i.R. Dr. Carol Hagemann-White, Universität Osnabrück

Anschließend Diskussion

15:15 Uhr

Kaffeepause

15:45 Uhr

Panel 3: Mehrfachdiskriminierung und Belastung

Kurzvortrag: Effektiver Gewaltschutz – auch für Frauen in Flüchtlingsunterkünften.

Die Frage nach der Unterbringung Asylsuchender jenseits von Containern, Zelten und überfüllten Massenunterkünften überlagert derzeit die Diskussion über die Qualität der Unterkünfte und die Wahrung der Rechte von Asylsuchenden und Geduldeten dort. Insbesondere der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller Belästigung in Unterkünften wird derzeit außerhalb der Frauenunterstützungsstruktur wenig thematisiert. Der Vortrag gleicht daher die menschenrechtlichen Verpflichtungen bei geschlechtsspezifischer Gewalt in Flüchtlingsunterkünften mit der tatsächlichen Lage von Frauen ab und macht Vorschläge, was zu einem verbesserten Schutz getan werden muss.

Heike Rabe, wissenschaftliche Referentin Deutsches Institut für Menschenrechte, Abteilung Menschenrechtsspolitik Inland/Europa

Kurzvortrag: Mehrfach verletzbar und schlecht geschützt: Behinderte Mädchen und Frauen.

Bereits 1981 wiesen behinderte Frauen darauf hin, dass sie häufig Gewalt erfahren – 2012 wurde dies mit einer repräsentativen Studie nachgewiesen. 2009 hat Deutschland die UN Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich Maßnahmen zu ergreifen um die spezifischen Diskriminierungserfahrungen behinderter Frauen abzubauen und behinderte Menschen auch vor geschlechtsspezifischen Aspekten von Gewalt und Missbrauch zu schützen.

Dieses Jahr nun überprüfte die UN die von Deutschland ergriffenen Maßnahmen zur Umsetzung der Konvention und stellte dafür ein schlechtes Zeugnis aus: Im Hinblick auf den Gewaltschutz für behinderte Mädchen und Frauen wird die Entwicklung und Umsetzung einer umfassenden und effektiven Strategie angemahnt. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, welche Maßnahmen hier ergriffen werden sollten.

Swantje Köbsell, langjährige Aktivistin der Behindertenbewegung, Professorin für Disability Studies an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin, zahlreiche Veröffentlichungen zum Themenbereich „Behinderte Mädchen und Frauen“

Anschließend Diskussion

17:00 Uhr

Ende

18:30 Uhr

10 Jahre bff – Jubiläumsempfang

Ab 18:30 Uhr freuen wir uns, wenn Sie gemeinsam mit uns feiern.

 

Dienstag, 3. November 2015 – Fortbildungstag

UhrzeitBeschreibung
9:30 bis 16:00 Uhr

Fortbildungstag für bff-Mitglieder

Offenes Forum und Austausch
Fachvortrag und Workshops