Digitale Gewalt im sozialen Nahfeld

Bei der Digitalisierung von Gewalt in persönlichen Beziehungen gehen die Angriffe in der Regel von einem Einzeltäter aus. Häufig handelt es sich um ehemalige oder aktuelle Beziehungspartner. Täter oder Angreifer sind aber z.B. auch Arbeitskollegen, flüchtige Bekannte, Mitschüler_innen oder Kommiliton_innen. Diese machen sich die erweiterten technischen Möglichkeiten zu Nutze, um die Betroffenen zu diffamieren, zu kontrollieren, zu bedrohen oder zu erpressen. Passwörter und Accounts werden gehackt, digitale Identitäten angeeignet, im Namen der Betroffenen werden mit falschen Absenderangaben beleidigende Nachrichten verbreitet oder Fotos verschickt. Gezielt werden so auch Frauen, bspw. im Firmenintranet oder per E-Mail angegriffen in berufliche Schwierigkeiten gebracht. Es handelt sich hier um die Fortsetzung eines bereits bestehenden Gewalt- oder Belästigungsverhältnisses mit digitalen Mitteln.

Häufig nutzen ehemalige Partner digitale Anwendungen wie Spy-Apps, GPS-Tracking u.ä.  nach einer Trennung, um Frauen weiter zu kontrollieren, zu bedrohen und einzuschüchtern. Auch in bestehenden Partnerschaften wird Spionage-Software installiert, ohne dass die betroffene Person davon weiß. Die Technik kann es möglich machen den gesamten Kommunikationsverlauf zu verfolgen, Standorte zu bestimmen, Suchverläufe mitzulesen usw. Das Verbreiten von privaten Bildern, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren, ist ebenso eine Form der Gewalt, die Täter nutzen, um Betroffene zu diffamieren, unter Druck zu setzen oder zu erpressen.

Diese Formen digitaler Gewalt stehen oft im Kontext des Gewaltverhältnisses und können begleitet werden durch andere Formen von Stalking, verbalen Bedrohungen, körperlicher und sexualisierter Gewalt.