Sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch in Therapie und Beratung

Formen

Zu den Formen des Missbrauches in Therapien und Beratungen gehören u.a. emotionaler oder narzisstischer Missbrauch, (materielle) Ausbeutung sowie sexueller Missbrauch.

Unter emotionalem Missbrauch werden Einstellungen und Handlungen des/der Therapeut_in verstanden, die zum Ziel haben, eine Klientin für die eigene Selbstbestätigung und zur eigenen Aufwertung zu benutzen.

Die Klientin gerät in die Rolle, den/die Therapeut_in bewundern zu müssen, ihm gefallen und sein Wohlwollen erfahren zu müssen, um zum vermeintlichen Therapieerfolg beizutragen. Tatsächlich geht es aber bei dieser subtilen Form des Machtmissbrauches nicht um die Klientin und ihre Entwicklung, sondern vorrangig um die Bedürfnisse des Therapeuten oder der Therapeutin.

Eindeutiger und leichter zu erkennen ist die (materielle) Ausbeutung in der Therapie. Dabei bedient sich ein_e Therapeut_in der Abhängigkeit einer Klientin bzw. ihrer Sympathie und Bindungswünsche, indem ihre Fähigkeiten, Kontakte, materiellen Möglichkeiten usw. im Rahmen der therapeutischen Beziehung gewinnbringend benutzt werden: Klientinnen werden z.B. als Bürohilfen, Putzfrauen oder Informantinnen eingesetzt.

Sexueller Missbrauch in der Therapie ist jegliches Verhalten seitens eines/einer Therapeut_in, das der Befriedigung der eigenen sexuellen Interessen und Wünsche dient. Die Grenzen zum Missbrauch sind nicht erst mit dem Geschlechtsverkehr überschritten, sondern bereits dann, wenn Handlungen und Äußerungen ein erotisches Interesse bei der Klientin erzeugen sollen und die Befriedigung seiner oder ihrer sexuellen Wünsche zum Ziel haben.

Formen sexueller Übergriffe sind beispielsweise anzügliche Bemerkungen, eine sexuell ausgerichtete Körpersprache, Körperkontakte, die auf sexuelle Handlungen abzielen, sexuelle Belästigung und Nötigung.

Auch das Eingehen einer sexuellen Beziehung mit einer Klientin ist sexueller Missbrauch, selbst wenn sie in sexuelle Kontakte einwilligt oder sich diese wünscht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Klientin sich in ihren Therapeuten oder ihre Therapeutin verliebt. Sie hat das Recht, in der Therapie ihre Gefühle und (sexuellen) Wünsche frei zu äußern, ohne sich zu kontrollieren. Was die Klientin nicht wissen kann - der Therapeut und die Therapeutin aber wissen muss - ist, dass sie dabei unter Umständen unbewältigte Konflikte und Gefühle, einschließlich des Gefühls des Verliebtseins, aus vorangegangenen Erfahrungen auf ihn oder sie überträgt.

Im Gegensatz zu ihren Klientinnen wissen Therapeut_innen, welche Folgen sexuelle Kontakte in der Therapie haben können. Therapeut_innen, die diesem Wissen zuwider handeln, leisten keine professionelle Hilfe, sondern professionellen Missbrauch.