Tagung in der Friedrich-Ebert-Stiftung: Wessen Internet? Geschlechterverhältnisse und Genderdebatten im Netz

Am 22. April hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer Tagung zum Thema Geschlechterverhältnisse und Genderdebatten im Netz eingeladen. Es wurde mehr als deutlich, dass das Internet nicht nur ein Ort lebendiger Debatten ist, sondern auch massiv Gewalt gegen Frauen ausgeübt wird. Die britische Journalistin Caroline Criado Perez illustrierte in ihrem Vortrag, wie Frauen, die sich geschlechterpolitisch oder feministisch im Netz äußern, Hasstiraden auf Twitter, Facebook, Blogs oder anderen Online-Kanälen ausgesetzt sind. Im Falle von Criado Perez war es eine Kampagne, die sich für die Abbildung von Frauen auf britischen Banknoten einsetzte, die zu Vergewaltigungs- und Morddrohungen führte.

Auch Männer, die sich feministisch äußern, sind von Hassattacken von Seiten der Männerrechtler und Maskulisten betroffen. Thomas Gesterkamp, der eine Untersuchung über Männerrechtler verfasst hat, berichtete von Verleumdungen und Diffamierungen und betonte gleichzeitig, dass Männer eher als Verräter beschimpft werden oder „Weicheier“, die nicht dazu in der Lage sind, die ihnen zugedachte Rolle als Mann auszufüllen. Die Attacken gegen Frauen im Internet sind massiver und wie auch im realen Leben meist sexualisiert. Frauen werden als Huren oder Schlampen diffamiert und die Androhung von Vergewaltigung und Mord scheint zum Standardrepertoire der so genannten „Hater“ im Netz zu gehören.

Dass Gewalt im Internet nicht nur von so genannten Trollen oder Hatern mehr oder weniger anonym ausgeübt wird, sondern auch aus dem direkten sozialen Umfeld kommen kann, verdeutlichte Katja Grieger vom bff in ihrem Vortrag. Beispielsweise der Ex-Freund, der die Trennung nicht akzeptieren kann und seine Ex-Partnerin mit der Veröffentlichung intimer Fotos im Netz erpresst oder öffentlich bloßstellt. Der Kontrollverlust für die Betroffenen ist dramatisch und kann weitreichende Folgen haben. Umso wichtiger ist es, dass gut ausgestattete Frauenberatungseinrichtungen die Betroffenen unterstützen können. Die bisher vorhandenen finanziellen Mittel reichten bei Weitem nicht aus, um dem stetig wachsenden Phänomen Cybergewalt adäquat begegnen zu können, so Katja Grieger in ihrem Vortrag.

Die abschließende Podiumsdiskussion mit zahlreichen Vertretern aus der Politik sahen sich denn auch in der Verantwortung, aktiv zu werden und Projekte gegen Cybergewalt an Frauen mit den notwendigen finanziellen Mitteln auszustatten.