Geschichten, die zählen! Statement des bff zu #MeTwo und #MeToo

Der bff ist der Dachverband ambulanter Fachberatungsstellen, die gewaltbetroffene Frauen und Mädchen unterstützen. Der bff hat im vergangenen Jahr die mediale Debatte um #metoo begrüßt und begleitet und verfolgt nun auch die Berichterstattung und Kommentare zu den Schilderungen unter #metwo.

Durch soziale Medien können sich viele Menschen, die Zugang zum Internet haben, äußern und gehört werden. Dadurch können auch Menschen ihre Stimme erheben und Themen benannt werden, die in anderen Medien unterrepräsentiert sind. Das öffentliche Thematisieren individueller Betroffenheiten ist mutig und wichtig. Hashtags wie #MeTwo und #MeToo machen hinter individuellen Erfahrungen gesellschaftliche Probleme sichtbar.

Für Betroffene kann das öffentliche Äußern ihrer Diskriminierungserfahrungen ein Akt der Selbstermächtigung sein. Allerdings setzen sie sich dem Risiko aus, dass sie für ihre Berichte angegriffen werden. Die Reaktionen auf Twitter und in den Medien sind oft ablehnend, leugnend und ignorant. Das Benennen und Sichtbarmachen von Diskriminierungen und Gewalt zieht abwertende, rassistische und sexistische Kommentare nach sich. Stimmen werden wieder zum Schweigen gebracht und gewaltvolle Strukturen bestätigt. Sowohl bei #metoo als auch bei #metwo gab und gibt es sehr viele Äußerungen, die individuelle Erfahrungen absprechen und als ‚Luxusproblem‘ oder Überempfindlichkeit stilisieren.

#metoo und  #metwo haben gezeigt, dass es für viele Betroffene sexualisierter Gewalt, sexistischer Übergriffe und rassistischer Gewalt und Diskriminierung auch weiterhin sehr schwer oder unmöglich ist, sich zu äußern und gehört zu werden. Häufig fehlt ein Verständnis davon, dass das Äußern von Erfahrungsberichten für Betroffene negative Folgen hat. Es ist wichtig anzuerkennen, dass Umgangsstrategien individuell sehr verschieden sein können.

Auch die Realität von Mehrfachbetroffenheit wird hier sehr deutlich und sichtbar. Personen wird z.B. seltener geglaubt, wenn sie als nicht-weiße oder behinderte Frau Sexismus und Gewalt thematisieren. Zum Beispiel sind Frauen of color und schwarze Frauen in hohem Maße von sexualisierter Gewalt betroffen. Aber das Sprechen über geschlechtsspezifische Gewalt ist für sie schwieriger, weil Gewalt gegen Frauen zu oft für rassistische Zwecke instrumentalisiert wird. Umso wichtiger ist es, in der Unterstützung von Frauen und Mädchen Sexismus, Rassismus und andere Diskriminierungsformen zusammendenken –da diese alle auf gewaltvollen Strukturen basieren.

Seit Jahrzehnten stehen Fachberatungsstellen und Selbsthilfeorganisationen parteilich an der Seite von Betroffenen von Gewalt und Diskriminierung. Jede einzelne Geschichte ist dort relevant und wichtig. Die Erfahrung zeigt, dass daraus kraftvolle Analysen gesellschaftlicher Probleme erwachsen, die Veränderung bewirken können.

Voraussetzung für solche Lernprozesse ist, dass auch und gerade privilegierte Menschen und Menschen ohne Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen bereit sind, zuzuhören und die Berichte über sexistische und rassistische Gewalt ernst zu nehmen. Jede einzelne Schilderung, jeder Tweet ist relevant. #metwo legt ganz deutlich rassistische Strukturen in der deutschen Gesellschaft offen und zeigt, welche allumfassende Lebensrealität sie für Betroffene bedeuten.

Der bff ist solidarisch mit allen Betroffenen, die sich durch ihre öffentlichen Berichte verletzlich machen und dazu beitragen, dass Strukturen aufgedeckt und verändert werden können.

 

Der bff empfiehlt folgende Artikel:

Simone Dede Ayivi‏ darüber, dass oft diejenigen die Rassismus benennen und davon betroffen sind, als störend empfunden werden.

Fatma Aydemir zu der Behauptung, dass sich #MeTwo nur privilegierte Personen äußern und einige Linke einen Konkurrenzkampf zwischen Kapitalismus und Rassismus herbeideuten.

Ash Kay dazu, dass sich Sexismus und Rassismus nicht umdrehen lassen.

Interview mit der Soziologin Robin DiAngelo zu Rassismus, weiß-Sein und weißer Abwehr.

#MeTwo lesen unter: https://twitter.com/hashtag/metwo

Agisra ist ein feministische Informations- und Beratungsstelle von und für Migrantinnen und geflüchtete Frauenthematisiert und macht in der Kampagne #mehralsdusiehst auf Mehrfachdiskriminierung von Frauen* aufmerksam. Unter: https://twitter.com/agisra25

DaMigra e.V., der Dachverband der Migrantinnenorganisationen hat eine Kampagne  gegen rassistische Stimmungsmache im Namen von Frauen*rechten initiiert. Mehr dazu unter: https://www.damigra.de/themen/antirassistischer-feminismus/ und https://twitter.com/DaMigraeV