Anzeigen wegen Vergewaltigung enden immer öfter mit Freispruch des Täters

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat eine bundesweite Analyse zur Strafverfolgung bei Vergewaltigung vorgelegt. Daraus geht hervor, dass Anzeigen wegen Vergewaltigung immer öfter mit einem Freispruch enden. Während vor 20 Jahren 21,6% der Anzeigen mit einer Verurteilung endeten, sind es heute bundesweit nur noch 8,4%. Hierbei macht die aktuelle Analyse enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern deutlich. Die Verurteilungsquoten in den einzelnen Bundesländern reichen von 24,4% bis zu einer Quote von lediglich 4,1%. Das bedeutet, dass in einzelnen Bundesländern jeder 4. polizeilich registrierte Fall zu einer Verurteilung führt, in anderen Bundesländern nur jeder 25. Fall.

Die Analyse des KFN weist weiter darauf hin, dass sich die Fälle der angezeigten Vergewaltigungen stark in den Bereich des sozialen Nahraums verschoben haben. Es ist davon auszugehen, dass die Einbeziehung der Vergewaltigung in der Ehe in den Straftatbestand des §177 StGB im Jahr 1998 dazu beigetragen hat, die Anzeigebereitschaft zu erhöhen und sich mehr Betroffene trauen Anzeige zu erstatten, wenn der Täter der eigene Ehemann oder Partner ist. Der Anteil der „verwandten Tatverdächtigen“ stieg von 1994 bis 2012 von 7,4% auf 27,9%.

Gerade in diesen Fällen ergibt sich häufig ein Beweisproblem, da es nur selten Zeugen gibt. Entscheidend für den Erfolg vor Gericht ist der Studie zufolge eine gute Dokumentation der Erstaussage bei der Polizei. Offensichtlich gibt es auch hier große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern.

Wo genau die Gründe für die unterschiedlichen Verurteilungsquoten in den Bundesländern liegen, will das Kriminologische Forschungsinstitut in einem breit angelegten Forschungsprojekt untersuchen, das auch zu rechtspolitischen Fragen empirisch fundierte Antworten liefern soll.

Der bff setzt sich seit Jahren für die Verbesserung der Situation vergewaltigter Frauen ein. Im Jahr 2010 fand in Berlin der vom bff organisierte Kongress "Streitsache Sexualdelikte - Frauen in der Gerechtigkeitslücke" statt. Unter großem Medieninteresse wurde hier das Problem der weit gehenden Straffreiheit bei Sexualdelikten diskutiert. Eine Kongressdokumentation gibt es hier: Streitsache Sexualdelike

Die ausführliche Pressemitteilung des KFN kann hier heruntergeladen werden: Pressemitteilung KFN.