Strukturelle Gewalt

Anzeichen/Merkmale

Ungleiche Machtverhältnisse in einer Gesellschaft sind sehr häufig zum Nachteil von Frauen. Frauen sind besonders stark von struktureller Gewalt betroffen und in ihren Entwicklungs- und Lebenschancen eingeschränkt. Dazu zählen Benachteiligungen und Diskriminierungen von Frauen im Erwerbsleben und der Gender Pay Gap (Geschlechter-Lohnlücke). Das bedeutet, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22% weniger Geld verdienen als Männer.

Aber auch andere Formen von Gewalt an Frauen, wie z.B. häusliche Gewalt, stehen im Zusammenhang mit struktureller Gewalt. Denn Frauen sind z.B. aufgrund des geringeren Verdienstes immer noch oft ökonomisch von Männern abhängig und verbleiben vielleicht deswegen lange in einer Gewaltbeziehung. Direkte Gewalt ist somit immer in strukturelle Herrschaftsverhältnisse und das gesellschaftliche Machtungleichgewicht eingebettet, aber strukturelle Gewalt zieht nicht automatisch die Ausübung direkter Gewalt nach sich.

Strukturelle Gewalt trifft nicht alle Frauen in gleichem Maße. Frauen mit Behinderung sind in höherem Maße von struktureller Gewalt betroffen, zum einen aufgrund der mit der Behinderung einhergehenden Abhängigkeiten und Diskriminierungen, zum anderen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit. Aber auch Frauen aus bildungsfernen Schichten, Frauen mit Migrationsgeschichte, lesbische oder bisexuelle Frauen, transgender oder intersexuelle Personen erfahren aufgrund der mehrfachen Diskriminierungserfahrungen in stärkerem Maße strukturelle Gewalt.