Sexualisierte Gewalt

Anzeichen/Merkmale

Opfer sexualisierter Gewalt kann jede Frau werden – unabhängig von ihrem Alter, ihrem Aussehen oder ihrem sozialen Status. Lesbische Frauen, Migrantinnen und Frauen mit Behinderungen werden dabei nicht nur als Frauen diskriminiert, sondern zusätzlich aufgrund ihres ethnischen Hintergrundes, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Behinderung.

Das Motiv

All dies macht deutlich, dass das Motiv für sexualisierte Gewalt nicht Sexualität, sondern Macht ist. Sexualität wird funktionalisiert, um Frauen und Kinder zu demütigen, sie zu erniedrigen und zu unterdrücken, mit dem Ziel, sich selbst als mächtig zu erleben. Bei allen Formen sexueller Übergriffe handelt es sich nicht um gewalttätige Formen von Sexualität, sondern um Gewalt, für die Sexualität benutzt wird. Wir sprechen deshalb von sexualisierter Gewalt.

Das Ausmaß sexualisierter Gewalt verdeutlicht, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt und bei den Tätern in der Regel nicht um psychisch kranke, „triebgestörte“ oder „perverse“ Täter. Bei den wenigsten Sexualstraftätern wird eine psychische Störung festgestellt, die im Zusammenhang mit der Tat steht. Vielmehr sind die Täter meist ganz 'normale' Männer.

Die Täter sind selten Fremde. Insbesondere bei sexuellem Missbrauch und Vergewaltigungen stammen sie meist aus dem sozialen Umfeld der Mädchen und Frauen. Es sind zum Beispiel Freunde, Bekannte, Partner und Ehemänner, Väter, Brüder, Kollegen. Die meisten sexuellen Übergriffe finden dort statt, wo Mädchen und Frauen sich eigentlich sicher fühlen sollten - zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in der Wohnung – das heißt. im gewohnten Umfeld.

Sexualisierte Gewalt als Ausdruck von Macht

Sexualisierte Gewalt ist Ausdruck strukturell-gesellschaftlicher Machtverhältnisse, in denen Männer ihre Machtstellung gegenüber Frauen sichern, indem Sexualität gezielt als Mittel zur Diskriminierung, Demütigung und Machtausübung eingesetzt wird.