SEXUELLE BELÄSTIGUNG


Was ist das?
Belästigung, Bedrohung und Angst vor Übergriffen durch Männer gehört für viele Frauen zum Alltag. Jede Frau und jedes Mädchen kann Opfer sexueller Belästigung werden. Beängstigende Situationen können im öffentlichen Raum, in der Schule, am Arbeitsplatz, in Verkehrsmitteln, auf der Straße und sogar in der eigenen Wohnung entstehen.
Dazu gehören z.B. taxierende Blicke, Pfiffe, Bemerkungen über die Figur/ das Aussehen, obszöne Witze, „zufällige“ Berührungen sowie Angrapschen insbesondere an Brust und Po oder Pornografie und erniedrigende Darstellungen in der Werbung und in den Medien.
Auch „Verehrer“ oder abgewiesene Freunde, die Frauen oder Mädchen mit „Liebesbeweisen“ traktieren oder sie verfolgen, überschreiten die Grenze zur Belästigung oder Bedrohung (siehe auch Stalking).
Die oben genannten Beispiele sind so alltäglich, dass sie vielen Menschen als „normal“ und „typisch männliches“ Verhalten erscheinen. Entscheidend ist jedoch, dass sich die betroffene Frau bzw. das betroffene Mädchen in dieser Situation höchst unwohl fühlt. Frauen und Mädchen haben ein Recht darauf, dass ihre persönlichen Grenzen respektiert werden.

Was tun?
Unter Umständen führen Erfahrungen von Belästigung oder Bedrohung dazu, dass Frauen sich isolieren und aus Angst vor möglichen Übergriffen nicht mehr oder eingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen. Dieser Rückzug verstärkt in vielen Fällen vorhandene Ängste und steigert die Einschränkungen. Es ist daher wichtig, sich mit diesen Ängsten offensiv auseinander zu setzen, um einen angemessenen Umgang damit zu finden.
Ängste in bestimmten Situationen sollten jedoch nicht ignoriert werden. Wenn sich eine Frau oder ein Mädchen unwohl oder unsicher fühlt, sollte sie ihrem Gefühl vertrauen und eine bedrohliche Situation bzw. einen Ort der Gefährdung verlassen. Wichtig ist auch, dass Frauen aufeinander achten, sich gegenseitig unterstützen.
Es kann sehr hilfreich sein, über sexuelle Belästigungen und Bedrohungen zu sprechen. Mädchen und Frauen sind an diesen Belästigungen nicht schuld und es handelt sich auch nicht um Bagatellen. Sexualisierte Übergriffe im Alltag gehören zwar zur Erfahrung fast aller Mädchen und Frauen, sind jedoch genauso wenig individuelles Schicksal wie alle anderen Formen sexualisierter Gewalt.
Oft lösen sexualisierte Übergriffe Scham- und Schuldgefühle aus sowie Ärger darüber, sich nicht gewehrt zu haben. Dies ist ein Grund dafür, dass alltägliche Übergriffe weitgehend ignoriert werden und Frauen für ihren Schutz selbst verantwortlich bleiben. Erst durch die öffentliche Auseinandersetzung und allgemeine Ächtung dieser Übergriffe kann es langfristig zu Veränderungen kommen.
Die Unterstützung durch Freundinnen oder professionelle Unterstützerinnen, wie Mitarbeiterinnen von Frauennotrufen oder Frauenberatungsstellen können hilfreich sein, um über Gewalterfahrungen zu sprechen und neue Möglichkeiten für die persönliche Sicherheit zu entwickeln.

Vorbeugung
Hilfreich kann es sein, sich über potenziell bedrohliche Situationen bewusst zu werden, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und Möglichkeiten der Gefahrenvermeidung und Abwehr zu trainieren.
Ein selbstbewusstes und selbstsicheres Auftreten von Frauen und Mädchen kann ein Schutz vor Belästigungen sein. Unsicher wirkende Frauen, die durch Körpersprache Ängstlichkeit ausdrücken, werden möglicherweise leichter zu Opfern sexualisierter Übergriffe.
In speziellen Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen (z.B. WenDo) können Frauen und Mädchen mehr Selbstbewusstsein entwickeln und Fähigkeiten erlernen und ausbauen, die ihren Schutz erhöhen. Jede Frau kann individuelle Strategien entwickeln, eigene Stärken, auch körperliche, kennenlernen und ausprobieren, um ihr Sicherheitsgefühl zu erhöhen.
Adressen von VeranstalterInnen von Selbstbehauptungskursen und -trainerinnen können über Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe erfragt werden.



Dokument drucken  Nach oben  Dokument: 53 | 2009-08-06 13:53:09
     
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