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| STALKING |
Was ist das?
„Stalking“ (engl.) ist ein Begriff, der ursprünglich das Anschleichen und Anpirschen eines Jägers an das Wild meint. Inzwischen bezeichnet Stalking fortgesetztes Verfolgen und Belästigen einer anderen Person und kann im Allgemeinen als „Psychoterror“ beschrieben werden.
Bekannt wurde das Phänomen zunächst durch prominente Personen, die sich von Fans verfolgt fühlten. Heute ist bekannt, dass Verfolgungen, Belästigungen und Psychoterror verbreitete Phänomene sind und prinzipiell alle Menschen Opfer von Stalking werden können, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind.
Wenngleich es auch Fremdtäter gibt, kennt die Mehrzahl der Opfer den „Stalker“. Häufig sind es zurückgewiesene Männer, Ex-Partner oder Ex-Ehemänner, die die Zurückweisung oder Trennung nicht akzeptieren. Vorübergehender Zorn oder Liebeskummer sind jedoch noch kein Stalking. Von Stalking wird erst dann gesprochen, wenn die Verfolgung anhält. Der Übergang von belästigenden Handlungen zum Stalking ist fließend. Das Stalking kann Monate bis Jahre andauern. Charakteristisch ist eine gewisse Kontinuität und Häufigkeit der Taten.
Stalking-Handlungen können sein:
- wiederholte Telefonanrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit, privat und während der Arbeit
- Nachrichten auf dem Anrufbeantworter
- häufige Präsenz des Verfolgers vor der Wohnung, der Arbeitsstelle, im Supermarkt usw.
- massenhaftes Zusenden von Briefen, e-Mails und SMS
- Verfolgen bei täglichen Wegen zur Arbeit, zum Sport, zu Bekannten
- unerwünschte Geschenke
- Waren- und Annoncenbestellungen auf den Namen der Betroffenen
- Ausspionieren des Tagesablaufs, des sozialen Umfelds und persönlicher Daten
- Sachbeschädigungen, z.B. an der Tür, am Auto, im Garten usw.
- Einbruch
- Körperverletzung
- usw.
Frauen sind wesentlich häufiger Opfer von Stalking als Männer. So werden in Deutschland Forschungen zufolge 17% aller Frauen und 4% aller Männer einmal im Leben Oper eines Stalkers (Dressing, Kuehner, Gass (2005))
Die Täter stammen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen. Etwa 80% der Täter sind Männer. Etwa 80% der Opfer sind Frauen. Die Täter sind zum größten Teil Ex-Partner. (Dressing & Gass 2005)
Folgen
Die Folgen des Stalkings für die Opfer können gravierend sein. Ihr Leben verändert sich bei länger andauernder Verfolgung zunehmend, die Lebensqualität sinkt. Psychische, physische und soziale Beeinträchtigungen nehmen zu, darunter beispielsweise Angst, Gefühle von Hilflosigkeit, Schutzlosigkeit und Verzweiflung bis hin zu schweren Depressionen. Stalkingopfer haben Angst um ihre eigene Sicherheit, dies kann zu sozialem Rückzug oder sogar sozialer Isolation führen.
Was tun?
Es gibt keine allgemein gültige oder richtige Vorgehensweise. Jeder Fall von Stalking ist einzigartig und muss genau betrachtet werden. Dennoch gibt es einige Ratschläge, die für die Opfer hilfreich sein können.
Zunächst sollte dem Stalker unmittelbar und unmissverständlich verdeutlicht werden, dass ein Kontakt nicht gewünscht ist und der Täter dies unterlassen soll. Bestenfalls erfolgt dies schriftlich und per Einschreiben und sollte dann auch die letzte persönliche Reaktion des Opfers sein.
Das Aufsuchen einer Beratungsstelle (Frauennotruf oder Frauenberatungsstelle) kann entlastend sein. Dort werden Betroffene unterstützt, über mögliche Maßnahmen informiert und es können weitergehende Hilfen wie z.B. eine Rechtsanwältin vermittelt werden.
Es ist sinnvoll, mit FreundInnen, Verwandten, Nachbarn usw. über die Situation zu sprechen. Das unterstützt nicht nur, sondern verhindert u.U., dass der Täter von ihnen gewünschte Informationen über das Opfer erhält. Öffentlichkeit kann schützen.
Wichtig ist die Beweissicherung: alle Briefe, Mails, SMS, Texte auf dem Anrufbeantworter usw. aufbewahren. Opfer sollten ein Stalking-Tagebuch anlegen, in dem Ort, Datum, Uhrzeit, die Stalking-Handlung notiert werden, so dass der Stalking-Verlauf rekonstruiert werden kann, was bei möglichen rechtlichen Schritten sehr hilfreich sein kann.
Es ist immer gut, für die Stalking-Taten Augen- und OhrenzeugInnen zu suchen. Sinnvoll ist es, eine Anwältin oder einen Anwalt aufzusuchen und ggf. eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht zu beantragen oder eine Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten. Eine Fangschaltung oder geheime Telefonnummer (bei der Telefongesellschaft zu beantragen) kann vor telefonischer Belästigung schützen.
Es ist sehr wichtig, dass Stalkingopfer konsequent bleiben und nach der ersten Zurückweisung nicht weiter auf die Belästigungen reagieren. Erfahrungen zeigen, dass mit zunehmender Stärke und Konsequenz der Betroffenen die Macht des Stalkers nach einiger Zeit abnehmen kann.
Rechtliche Möglichkeiten
Seit dem 1.4.2007 existiert im deutschen Strafrecht ein Straftatbestand, der auf das Phänomen Stalking explizit eingeht. Mit dem ‚Gesetz zur Strafbarkeit beharrlicher Nachstellung’ werden Handlungen unter Strafe gestellt, durch die Personen durch ‚unbefugtes’ und ‚beharrliches Nachstellen’ die räumliche Nähe des Opfers aufsuchen, durch Verwendung von Kommunikationsmitteln oder über Dritte Kontakt zu ihm herstellen oder z.B. unter missbräuchlicher Verwendung von dessen personenbezogenen Daten Bestellungen oder Dienstleistungen in Auftrag geben.
Mit diesem Gesetz ist es möglich, auf Antrag der betroffenen Person, am besten unter Vorlage aller gesammelten Beweismittel, direkt ein Strafverfahren und gegebenenfalls strafprozessuale Maßnahmen einzuleiten. Dabei entstehen der betroffenen Person in diesem Verfahren keine Kosten. Damit der strafrechtliche Prozess in Gang gebracht werden kann, muss eine Anzeige gegen den Stalker aufgegeben werden. Die betroffene Person kann in einem Verfahren als NebenklägerIn auftreten.
Links und Literatur
www.stalkingforum.de
www.liebeswahn.de
www.stalkingforschung.de
www.bmj.bund.de
www.pechstaedt.de
www.stalking-info.net
Rusch, Stephan: Stalking in Deutschland. Ein Handbuch für alle Praxisbereiche. (Göttingen: Hainholz, 2005)
McEwan, Ian: »Liebeswahn«, Roman (Zürich: Diogenes, 1998)
Hoffmann, Jens.: Stalking. Fachbuch, 2005.
Hoffmann, Jens. § G. Voss: Psychologie des Stalking. Fachbuch 2006.
Weiss, Andrea.: Stalking und häusliche Gewalt, Fachbuch 2005.
Voß, H.-G. W., Hoffmann, J. & Wondrak, I. (2006) Stalking in Deutschland. Aus Sicht der Betroffenen und Verfolger. Baden-Baden: Nomos.
Hurrelmann Julia, Nauck Irmard, Freudenberg Dagmar: Stalking - Grenzenlose Belästigung, Eine Handreichung für die Beratung, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, April 2009:
www.frauen-gegen-gewalt.de
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Dokument: 52 | 2010-07-04 21:13:44 |
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