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| MITBETROFFENE KINDER |
Kinder sind von häuslicher Gewalt mitbetroffen
Bei Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen sind im Haushalt lebende Kinder in der Regel mitbetroffen. Sie sehen oder hören die Gewaltausbrüche, erleben die Angst und Scham ihrer Mutter, schämen sich für ihren Vater und versuchen ihre jüngeren Geschwister oder sogar die Mutter zu schützen. Viele Kinder sprechen mit niemandem darüber, was bei ihnen zu hause passiert.
Die bundesdeutsche Prävalenzstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ (Schröttle/Müller) belegt, dass Kinder oft von Anfang an in das Gewaltgeschehen gegen die Mutter involviert sind. 20% derjenigen Frauen, die in ihrer letzten Partnerschaft Gewalt erlebt haben, gaben die Geburt eines Kindes als das gewaltauslösende Ereignis an, weitere 10% die Schwangerschaft.
Wissenschaftliche Studien zeigen zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Mütter und Kindesmisshandlung. Eine Studie von Farmer & Owen (siehe unten) untersuchte Fälle von Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch, in denen Kinderschutzmaßnahmen eingeleitet wurden. In 60% der Fälle von Kindesmisshandlung und in 40% der Fälle von sexuellem Missbrauch waren auch die Mütter der Gewalt durch den gleichen Täter ausgesetzt.
Folgen
Das direkte oder indirekte Miterleben der Gewalt bleibt für die Kinder nie ohne Auswirkungen. Jedoch hat das Miterleben selbstverständlich nicht bei allen Kindern dieselben Folgen. Die akuten Auswirkungen können unspezifisch sein wie Schlafstörungen, Schulschwierigkeiten, Entwicklungsverzögerungen, Aggressivität und/oder Ängstlichkeit. Es hat sich gezeigt, dass insbesondere Verhaltensstörungen und emotionale Probleme, eine negative Beeinflussung kognitiver Fähigkeiten und Langzeit-Auswirkungen auf die Entwicklung als Folge des Miterlebens der Gewalttätigkeiten auftreten können. Ein Forschungsüberblick über die Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung durch häusliche Gewalt findet sich bei Kindler (siehe unten).
Die Schwere der Folgen hängt von einer Vielzahl weiterer Faktoren ab. Die Folgen sind anders, wenn die Kinder auch direkt misshandelt werden, sie sind bedingt durch das Alter, Geschlecht, die Zeit, die seit dem Miterleben vergangen ist, das Verhältnis zu den Erwachsenen und auch durch die Art der Interventionsmaßnahmen.
Hinzu kommt, dass eine Reihe von Studien noch einen weiteren Zusammenhang nahe legt: Kinder, die Misshandlungen miterleben, lernen dieses Verhalten und können es übernehmen. Es zeigte sich, dass diese Kinder zumindest eine Akzeptanz für den Gebrauch von Gewalt als Konfliktlösungsmuster entwickeln können und eigene Gewalttätigkeiten damit rechtfertigen.
Was tun?
Kinder brauchen daher eine eigenständige und qualifizierte Unterstützung bei der Bewältigung und Bearbeitung ihrer Gewalterfahrungen. Eine Beraterin oder Begleiterin der Mutter sollte daher darauf hinwirken, dass die Kinder eine eigenständige Betreuung bekommen.
Zum Weiterlesen:
Kavemann, Barbara, Kreyssig, Ulrike (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2006.
Kindler, H.: Partnergewalt und Beeinträchtigungen kindlicher Entwicklung: ein Forschungsüberblick. In: Kavemann, Barbara; Kreyssig, Ulrike (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt, S. 36-52, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2006.
Farmer, E., Owen, M.: Child Protection Practice: Private Risks and Public Remedies. HMSO. London 1995.
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Dokument: 51 | 2006-05-18 11:32:28 |
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