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| SEXUELLE BELÄSTIGUNG UND BEDROHUNG IM ALLTAG |
Öffentliche Verkehrsmittel
Sexuelle Belästigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln sind nicht selten. Insbesondere abends und nachts können sie in wenig belebten Bussen und Bahnen zur Bedrohung werden. Plätze nahe beim Busfahrer/ bei der Busfahrerin bzw. in der Nähe des Zugpersonals oder in der Nähe zu anderen Mitfahrerinnen sind günstig, um Belästigungen zu vermeiden.
Sind keine anderen MitfahrerInnen zur Unterstützung da und/ oder steht zu befürchten, dass der Belästiger noch weitere Übergriffe vornehmen könnte, sollten Frauen und Mädchen an belebten Haltestellen aussteigen bzw. sich z.B. über Handy ein Taxi zur Haltestelle rufen oder sich von einer bekannten Person abholen lassen.
Straße
Sexuelle Belästigungen auf der Straße gehören zum Alltag vieler Frauen. „Sprüche“ von einzelnen Männern oder Gruppen oder Pfiffe sind Belästigungen, gegen die Frauen und Mädchen kaum etwas unternehmen können und immer wieder vor der Frage stehen: Reagieren oder Ignorieren? Ignorieren ist oftmals unbefriedigend, Reaktionen lösen häufig weitere Belästigungen aus. Dieses Dilemma ist den Belästigern nur allzu bewusst.
In drastischen oder wiederholten Fällen durch denselben/ dieselben Täter könnte u.U. eine Anzeige wegen Beleidigung erstattet werden. Günstig ist es, wenn ZeugInnen vorhanden sind. Tag, Uhrzeit und Art der Belästigung sollten genau notiert werden. Ggf. reicht auch die Androhung einer entsprechenden Anzeige.
Unsicher fühlen sich viele Mädchen und Frauen abends und nachts auf der Straße. Es ist wichtig, sich mit den Ängsten und den Gefahren auseinanderzusetzen und sie ernst zu nehmen. Jede Frau und jedes Mädchen kann einen individuellen Umgang damit entwickeln und selbst entscheiden, welche Orte sie lieber meiden möchte und welche nicht. Bei sexueller Bedrohung auf der Straße sollten Frauen und Mädchen sich nicht scheuen, Aufmerksamkeit zu erregen (z.B. durch „Feuer!“-Rufe, Scheibe einwerfen, etc.).
Eigene Wohnung
Die eigene Wohnung ist ein Ort, an dem die meisten Frauen sich sicher fühlen. Leider geschehen Belästigungen, Bedrohungen und Sexualstraftaten nicht selten in der Wohnung des Opfers, teils durch Bekannte der Frauen, teils durch Fremde. Spione, Gegensprechanlage usw. stellen zumindest einen Schutz gegen ungewollte Gäste dar. Persönliche Kontakte zu NachbarInnen fördern die Aufmerksamkeit und das Verantwortungsbewusstsein füreinander.
Allein lebende Frauen sollten möglichst die Nennung des Vornamens an Klingel-, Tür- und Briefkästenschildern vermeiden, da dies für Fremdtäter ein Hinweis auf eine allein lebende Frau ist.
Frauen, die in der Wohnung bedroht werden, sollten sich nicht scheuen, die Polizei zu rufen und/ oder Aufmerksamkeit zu erregen (z.B. Gegenstände aus dem Fenster werfen, „Feuer“!-Rufe, Lärm etc.).
Anzeigenmarkt (Wohnungen, Jobs, Verkäufe, etc.)
Eine Wohnungs- oder Jobsuche findet häufig über Anzeigen statt. Auch wenn diese seriös wirken, kann es vorkommen, dass Männer auf diese Weise Situationen herstellen, um sexualisierte Gewalt auszuüben. Es ist sinnvoll, dass Frauen zu ihrem eigenen Schutz vorsichtig sind.
Eigene Anzeigen sollten nur unter Chiffre aufgegeben werden. Bei Terminabsprachen – etwa zur Wohnungsbesichtigung – sollte möglichst eine weitere Person mit anwesend sein. Zumindest sollte aber bei einer Person des Vertrauens die Adresse hinterlassen werden, zu der die Frau/ das Mädchen geht und ggf. eine Urzeit vereinbart werden, wann sie sich wieder zurückmeldet.
Kontaktanzeigen sind ein viel genutzter Weg, um Menschen und mögliche PartnerInnen kennenzulernen. Egal ob übers Internet oder über Kleinanzeigen in der örtlichen Zeitung – hinter den Inserierenden muss nicht ihre wahre Identität stehen. Das erste/ die ersten persönlichen Treffen sollten niemals in Privaträumen stattfinden. Öffentliche Räume wie Restaurants, Cafes usw. sind geeignet. Eine Person des Vertrauens sollte wissen, wo dieses Treffen stattfindet und wann sich die Frau/ das Mädchen wieder meldet.
Mitfahrten
Trampen ist gerade bei Mädchen und jungen Frauen eine beliebte Reisemöglichkeit, wenngleich das damit verbundene Gefahrenpotenzial hoch ist.
In keinem Fall und keiner Situation sollten Mädchen/ Frauen beim Trampen zu einem oder mehreren Männern ins Auto steigen – auch nicht, wenn sie zu zweit sind. Täter, die Mädchen/ Frauen beim Trampen belästigen oder vergewaltigen, tun dies geplant und sie können bewaffnet sein. Sicherer ist es, nur zu Frauen ins Auto zu steigen.
Es sollte immer jemand wissen, zu wem ein Mädchen/ eine Frau ins Auto gestiegen ist (Autokennzeichen, Wagentyp). Diese Angaben können z.B. per Handy durchgegeben werden.
Kommt es zu Belästigungen und Bedrohungen während einer Fahrt – das gilt ebenfalls für Mitfahrgelegenheiten, die über Mitfahrzentralen vermittelt wurden – sollte der Fahrer direkt und energisch zurückgewiesen und zum sofortigen Anhalten aufgefordert werden. Mädchen und Frauen sollten auch dann nicht weiter mitfahren, wenn sich der Fahrer entschuldigt.
Hält er trotz Aufforderung nicht an, sollte versucht werden, ihn dazu zu zwingen, indem seine Wagenpapiere oder andere Gegenstände aus dem Handschuhfach aus dem Fenster geworfen werden (das macht auch andere aufmerksam) oder sein Auto beschmutzt wird, z.B. Getränke ausgießen o.ä.. Besondere Vorsicht ist bei allen Maßnahmen geboten, die auch die eigene Sicherheit gefährden wie Behinderung des Fahrers (Griff ins Lenkrad, Abziehen des Zündschlüssels).
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Dokument: 54 | 2009-08-06 13:51:31 |
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